Dienstag, 21. Oktober 2008

Natur - Welt 1

Die biologischen Bedingungen des Lebens sind von vielen Wissenschaften untersucht worden. Zahlreiche Dokumentationen zu diesem Thema existieren und zeigen ein Bild, welches von uns Menschen als grausam bezeichnet wird: Fressen und Gefressen werden ist hier die Devise, der Stärkere überlebt, der Schwächere geht unter. Selektion und Nahrungsketten bestimmen die biologische Existenz des Lebens auf diesem Planeten. Aus dieser Tatsache wurde die Naziideologie entwickelt, eine falsche Schlußfolgerung. Genauso falsch ist es indes, diesen Aspekt zu leugnen und sich in Humanismus zu ertränken.
Eine der besonders herausgehobenen Spezies sind die Raubtiere, die ihre Existenz allein durch das Töten und Verspeisen ihrer Beute erhalten können. Raubtiere kommen in allen Gattungen des Tierreichs vor, wie uns allen bekannt ist. Angesichts unserer sozialen Entwicklung vergessen wir nur allzu oft, dass der Mensch das größte, erfolgreichste und gefährlichste Raubtier des Planeten ist und alle anderen Spezies scheinbar beherrscht.
Der Löwe denkt nicht über sein Tun nach, der Mensch kann darüber reflektieren. Diese Reflektionsmöglichkeit hat dazu geführt, dass der Mensch vornehmlich und lieber eine andere Seite der Natur betont, ihre Schönheit und Erhabenheit. In dem Mythos der "Mutter Natur" hat sich diese andere Seite vergegenständlicht.
Heute werde ich mich ausschließlich mit dem Raubtier beschäftigen. Meine These, dass keine Überlebensstrategie von Erfolg gekrönt sein wird, wenn sie auf falschen Annahmen basiert und tatsächliche Zusammenhänge ignoriert, soll dabei wieder der Leitfaden sein, an dem ich mich entlang hangele. Wenn ich nicht davon ausgehe, dass der Mensch einschließlich ich selbst im innersten Kern nach wie vor das Raubtier ist, gerate ich in die Sackgasse der Illusion. Illusionen aber haben im Überlebenskampf keinen Platz, Illusionen können am besten dort gedeihen, wo Luxus und Wohlstand herrschen. Gut Verdienende können sich Illusionen und Humanismus erlauben, bei Überlebenskämpfern sollten diese Illusionen keinen Platz haben. Erkenne ich mich selbst als Raubtier, fällt es mir sehr schwer, mein Gegenüber - sei es auch mein bester Freund - zum Humanisten hochzujubeln oder ihn anders herum anzuklagen. Dieser biologischen Verbundenheit entspringen Egoismus, sich selbst in den Mittelpunkt stellen, für sich selbst zuerst sorgen. Wer dies moralisch angreift, verkennt die biologischen Ursprünge unserer Existenz. Dieser Aspekt der menschlichen Existenz zeigt sich in Krisensituationen am deutlichsten. Wer im reinen Existenzkampf steckt, kennt keine Verwandten mehr.
In meinen Augen ist es ein entscheidender Schritt hin zu einer klareren Wahrnehmung, diese Tatsache anzuerkennen. Viele Vorwürfe gegen andere fallen damit weg. Vorwürfe und Selbstmitleid sind 2 Verhaltensweisen, die viel Energie binden und damit die Konzentration auf die richtige Strategie des Überlebens behindern. Wie Brecht im "Guten Menschen von Sezuan" bereits treffend beschrieben hat, wird im egoistischen Verhalten der Menschen nicht die Schlechtigkeit einzelner Menschen gezeigt, sondern die Schlechtigkeit der Verhältnisse, unter denen sie leben (oder leiden).

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