Als Fotograf habe ich mich stark mit Wahrnehmung auseinandergesetzt. Ich weiß: Jeder lebt in seiner Welt. Diese kann Ähnlichkeiten mit der realen Welt aufweisen, muß sie aber nicht. Die Wahrnehmung eines Indianers, der noch nicht mit unserer Kultur in Verbindung gekommen ist, unterscheidet sich extrem von der meinen. Ein Eskimo kann mindestens 30 Sorten Schnee unterscheiden, wo ich nur Schnee sehe. Eine Lippenstiftverkäuferin kennt unzählige rote Farbtöne, ich sehe nur rot. Meine Wahrnehmung der Welt unterscheidet sich auch von der der Tiere: Eine Fledermaus nimmt ein anderes Bild derselben Welt wahr als ich, auch mein Hund sieht die Welt anders, wobei sehen zu eingeschränkt ist, besser: er nimmt sie wahr, denn daran sind alle Sinne beteiligt. Mit seiner Nase ist er viel empfindlicher als ich.
Wir Menschen leben in sozialen Zusammenhängen und unsere Wahrnehmung ist von unserer Umgebung geprägt. Also: Seit unserer Geburt erzählen uns immer alle, wie diese Welt beschaffen ist. Dies bedeutet, wir nehmen diese Beschreibung der Welt an, wir nehmen nicht die Welt wahr, sondern die Welt gefiltert durch diese Beschreibung. Dies ist das Feld der Ideologien.
Was man uns beispielsweise über "Demokratie" beigebracht hat, ist reine Ideologie. Es wird die ganze Zeit so getan, als lebten wir in der besten aller Welten, weil wir Demokratie haben. In Wirklichkeit haben wir nicht Demokratie, die Herrschaft des Volkes, sondern wir haben ein System, das es den Machteliten erlaubt, ihre Macht zu behalten. Wir haben ein Wirtschaftssystem, welches extreme Ungerechtigkeit im Namen der Demokratie hervorbringt. Wäre es nicht besser, wenn wir unsere Demokratie viel realistischer beurteilten: Anstatt uns postmodern zu nennen, sollten wir uns nicht besser immer noch am Rande der Barbarei wähnen? Angesichts der Hungersnöte, der korrupten Machteliten rund um den Globus, der Kriege und Völkermorde, angesichts unserer Untätigkeit beim Anblick von Kindersoldaten oder Massakern, ist es da nicht besser, die soziale Umwelt so zu sehen, wie sie heute leider immer noch ist: Nur einen ganz kleinen Schritt von den Hexenverbrennungen oder Menschenopfern entfernt. Aber schauen wir nicht nur in die Ferne, gehen wir doch näher ran: Wie sieht es denn bei uns in Deutschland aus: Die wirtschaftliche Macht wird immer stärker auf ganz wenige konzentriert, Armut breitet sich mehr und mehr aus, lächerliche 1 Euro Jobs oder 400 Eur Jobs, die keinen ernähren können. Die Reichen wissen gar nicht mehr, was sie mit ihrem ganzen Reichtum anfangen können: Noch ne Luxusjacht, noch ein Auto für ne Million, noch eine Villa auf Mallorca, noch einen Privatjet, noch mehr Juwelen? Diese perverse und seelenlose Luxusanbeterei ist nur die Kehrseite der Medaille: Menschen, die einfach nicht wissen, was mit ihrer Macht sinnvoll anzufangen, genauso gefangen in ihrer Beschreibung der Welt wie die andere Seite.
Also: Eine klarere Sicht auf die Welt und nicht auf ihre Beschreibung ist für das Überleben notwendig. Illusionen und Ideologien haben im Überlebenskampf keinen Platz!
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