Der Fall der evangelischen Bischöfin Käßmann und ihr Rücktritt geben Anlaß, unsere gesellschaftliche Wirklichkeit erneut einer Überprüfung zu unterziehen.
Nach dem Gebot der Vergebung wäre es sicher kein Problem, einen Fehler, auch einer hochgestellten Person, zu verzeihen. Die Katholen haben es da ein wenig einfacher, 10 Ave Maria und die Sünde ist vergeben. Aber auch die Evangelen gehen davon aus, dass Gott eine Sünde vergibt, die aufrichtig bereut wird.
Diese Vergebnung hat die Bischöfin von unserer Gesellschaft nicht erwartet, zu Recht.
Ist es nicht ein kompletter Wahnsinn, dass bei uns keine Fehler gemacht werden können? Jeder Fehler wird gnadenlos bestraft. Ich will damit nicht fordern, dass alles gemacht werden kann ohne Konsequenzen. Aber Fehler sind menschlich. Das führt letztendlich zu der Wahnsinnsituation, dass Menschen, die Jahrzehnte dazu gebraucht haben, sich für hohe Ämter zu qualifizieren, durch einen einzigen, sogar verständlichen Fehler ihre Kraft nicht mehr für die dringend notwendige Entwicklung unserer Gesellschaft einsetzen können. Käßmann tritt von allen Ämtern zurück, Und was haben wir damit erreicht?
Natürlich fürchtet die Bischöfin die Medienmacht und die veröffentlichte Meinung, wiederum zu Recht. Wäre sie in ihren Ämtern verblieben, jeder Artikel oder Bericht würde mit dem Zusatz versehen, dass sie im Februar 2010 mit 1,5 Promille eine rote Ampel überfuhr, egal, um welches Thema es sich handelt. Insbesondere wäre ihre Glaubwürdigkeit dem Thema Drogen gegenüber stark gefährdet. Warum eigentlich? Jeder, der sich schon einmal besoffen hat oder auf andere Weise mit Drogen in Verbindung gekommen ist, kann doch viel besser diskutieren, weil er ja seine persönliche Erfahrung mit einbeziehen kann.
Die Gnadenlosigkeit der Medien ist vielleicht moralisch zu verurteilen, trotzdem ebenfalls verständlich. Jede Nachricht hat ihren Marktwert. Dieser erhöht sich zwangsläufig, wenn der Zusatz mit den 1,5 Promille erfolgt.
Also können wir auf ein bekanntes Problem verweisen: Markt und Konkurrenz fördern zwar Entwicklung, aber auf welche Kosten? Hier unterscheidet sich die Nachricht in nichts von einem Hamburger. Wer sich von Kuhfladen ernährt, sollte nicht über den Gestank klagen.
Nur Harald Juhnke hat der Medienmacht getrotzt. Er war bislang als einziger in der Lage, trotz Sauferei nicht unterzugehen. Jeder, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, sollte von dem großen Revolutionär Harald Juhnke lernen!
Freitag, 26. Februar 2010
Kainsmale, Medien, Schmeissfliegen - von Harald Juhnke lernen
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